Wenn auch etwas verspätet, kommt hier ein kleiner Nachruf zu unserer Fahrt nach Hause. Kurz vor Weihnachten…

Der Wahnwitz begann auch dieses Mal mit der Anreise, wenn auch so ganz anders als sonst:

Entgegen unserer üblichen Gewohnheiten verließen wir uns nicht alle auf die Bahn, sondern wählten im Vorfeld drei verschiedene Anreisemöglichkeiten (wir waren nur zu dritt, sonst wäre sicher noch jemand geflogen). Im Auto wollte niemand mit mir mitfahren (weiß gar net warum?!) und so wurden als alternative Transportmittel noch die Bahn und der Fernbus gewählt. Die Autofahrt war angenehm – danke der Nachfrage – und ich war bereits gegen 10 in der alten Heimat. Nach einer Runde durchschnaufen wollte ich noch einmal den Treffpunkt abklären: 13 Uhr FFM-HBF. So weit so gut. Dabei wäre es auch geblieben wenn nicht jemand, nach einer dezent durchzechten Nacht, gnadenlos verschlafen und somit die Abfahrt seines Busses verpasst hätte.

Lasset also das Chaos beginnen. Statt Treffpunkt 13 Uhr wurde der Treffpunkt auf Viertel vor zwei verschoben – noch nicht wissend, ob der Langschläfer nun noch mit dem Zug anreisen würde. Aber wir waren ja immerhin noch zu zweit und wollten uns nicht unterkriegen lassen. Gut, also 45min mehr Zeit…Starbucks! Weil Tü keinen hat und ich zu meiner Sucht stehe. Also – Starbucks, Konstabler Wache. Ah ja…Warten auf teuren Kaffee…dann Aufregung „you’re missing the two chicks fighting outside!“. Hä? Was is? Blick aus dem Fenster hinaus und los ging der Slapstick – *batz* nach rechts am Fenster vorbei. *batz!* ab in die andere Richtung. Dann viel Geschrei und wieder ging es hin und her. Nach einigen weiteren *batz!* dann Polizei. Und noch während diese davon Ausging ihre bloße Anwesenheit hätte die Sache beendet, plötzlich wieder *batz*. So ein wenig wie in Bridget Jones Diary 2, wenn Colin Firth und Hugh Grant den realistischsten Kampf in einem Film aller Zeiten abliefern…Aber: Fußball! Sorry. Also…ich warte auf mein überteuertes Getränk, vor mir zwei Bremen Fans…der Barrista: „Chai Latte“ und der Bremer greift zu. Okay. Vielleicht hatte er ja auch eine bestellt. Nix da. Der gute kannte wohl den Unterschied zwischen seiner kurz darauf fertiggestellten Caffè Latte und einer Chai Latte nicht…Pech! Muss er halt Tee trinken. Endlich fertig…Gerade noch rechtzeitig, um bis Viertel vor zwei an der Galluswarte zu sein. Treffpunkt 1. Dann – oh Wunder – auch unser Trinkwunder hatte sich mittlerweile mit dem Zug auf den Weg gemacht und kam gegen kurz nach zwei am HBF an. Glücklicherweise standen wir direkt am Gleis des Sonderzuges gen Stadion…den wir dann trotzdem noch fast verpasst hätten, weil unser Nachzügler erstmal sein Gedöns im Schließfach verstauen musste. Im Sonderzug dann wieder zwei Bremer…mutig!

Jetzt aber! Stadion! Eintracht! Fingernägel knabbern, weil, war ja nich so prickelnd die letzten Wochen. Augen zu. Erinnerungen an zwölf Monate zuvor. Frankfurt zerlegt Bremen und schießt 5 Tore…Meister! Fast jedenfalls. Gefühlt. Stimmung!

Und was macht man als erstes im Stadion? – Richtig! Worschd! Und Äbbelwei! Eh, nicht ganz. Erst einmal geht man zu einem dieser freundlichen und immer hilfsbereiten JustPay Herren oder Damen und findet nach einer kuuuurzen Wartezeit heraus, wiviel Geld sich noch auf der Stadionkarte befindet. Dann wechselt viel Geld die Hand und jetzt darf man sich um das leibliche Wohl kümmern. Stimmung!

Dann ab in den Block. Tolle Plätze gehabt und sogar ein Großteil der Sitznachbarn war grandios. Mit einer Ausnahme! Und es war nicht der junge Herr, der irgendwie dachte er müsse an diesem Tag, mit Plätzen im Heimfanbereich, gegen Bremen, unbedingt seine grüne Sweatjacke auspacken…Süß, wie schnell er die unter seine restliche Kleidung zog…jedenfalls – der war vollkommen in Ordnung. 20151219_152554

Auf Grund unserer verspäteten Entscheidung dieses Spiel zu besuchen, saßen wir leider auf drei verschiedene Reihen verteilt, ab HZ 2 nur noch in zwei. Jetzt aber Konzentration! Anpfiff. Und entgegen unserer schon recht weit heruntergeschraubten Erwartungen lieferte Frankfurt ein wirklich gutes Spiel ab. Man konnte fast sagen, da standen sich zwei recht gleichstarke Gegner auf dem Platz gegenüber. Getrübt wurde die Stimmung nur durch interessante Schiri-Entscheidungen. Foul Bremen. Weiterspielen. Foul Bremen. Weiterspielen. Foul Bremen. Weiterspielen. Foul Frankfurt. Gelb. Hätte mein Puls den neuen Sekundentakt angegeben, 90Minuten wären binnen 2 Minuten fertig gewesen. Schon die ersten 15 Minuten versprachen ein gutes Spiel. Mit schönen Chancen für unsere Frankfurter. Nach 20 Minuten dieses ansehnlichen Schauspiels machte sich allerdings der berühmte Frankfurter Pessimismus breit. „Oh nein!“ Wenn Sie die Chancen nicht nutzen, dann wars des jetzt wieder.“ Leider sollte sich diese Frankfurter Logik zunähst bewahrheiten. Minute 29. Tor Bremen. Buuuuh! Manch einer war allerdings der Meinung (ahem) dieses Tor konnte man bereits 5 Minuten zuvor erkennen. Hellseher, simmer!

Dann aber die Wende: Ausgleich Eintracht Frankfurt. Unsere Nummer 14 – Alex Meier Fußballgott. Und der neue Spielstand: Eintracht Frankfurt – 1, Werder Bremen – O. Danke. Bitte. Die interessante Zählweise ergibt sich aus einer philosophischen Weißheit, das ein Tor des Gottes automatisch doppelt zählt. Da dies aber durch diverse Regeln in dieser Form nicht erlaubt ist, muss summa summarum dem Gegner ein Tor abgezogen werden, um das metaphysische Gleichgewicht wiederherzustellen. So oder so ähnlich.

Na gut, es stand immer noch 1:1 – aber Wayne…

14 Minuten Freudentaumel und Meisterträume, dann wurde zur Halbzeit gepfiffen.

Erstmal was trinken. Bestellung: Heißer Äbbelwei. Lieferung: Bier. Auch gut.

Zweite Halbzeit. Puls oben. Und nach kurzer Zeit TOOOOOOOOOOOOOOR. Aigner trifft Tor wieder. Alter Falter wie geil ist das denn! Zwei Minuten später: Schiri pfeiff ab! Oh nee, Seferovic…nicht Abpfiff, lass sie halt spielen. Und Seferovic versemmelt leider. Wieder ein munteres hin und her und dann kam die große Stunde der Eintracht, die ungefähr 5min dauerte. Aber was für 5 Minuten. Da wurde kombiniert, gedribbelt,gepasst. Ein Traum! Es gab allerdings böse Zungen, die munkelten, in diesen Minuten hätte man Veh im Spiel der Eintracht nicht erkennen können. Veh. Wie, der is auch aufgestellt?! Aber es sah aus nach – „jetzt machen wir mal das, was wir wollen“. Das Aufbäumen einer gar übermächtigen Macht. Fußballfreude pur. Allerdings war nach 5 Minuten alles vorbei. Was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass Frankfurt mehr als ordentlich spielte, 90min lang!

Dann wieder Foul Bremen. Nix. Foul Bremen. Nix. Foul Frankfurt. Gelb. Alter! Mein Puls! Dann Auftritt des netten Herren schräg vor mir. Zähneknirschen meinerseits. Kopfschütteln meiner Sitznachbarn. Soll er halt auf die Haupttribüne.

Ende der regulären Spielzeit. Nach dem mehr als pünktlichen Abpfeifen der ersten HZ und ohne nennenswerte Unterbrechungen der zweiten, warteten wir alle auf den Pfiff. Der gefühlt nicht kam. Was sich der Herr Schiri bei dieser ungerechtfertigten Spielverlängerung dachte, weiß wohl niemand, außer evntl. seinem Bankberater. Dann aber endlich ertönte der erlösende 20151219_172347Pfiff vom Spielfeld. Der gesamte Fanbereich hatte unterstützend bereits einige Minuten zuvor mit dem Pfeifen angefangen.

Aber jetzt endlich – Erleichterung. Grenzenloses Glück. 3 Punkte. Das wir das erleben durften. Ab zum Feiern! Stunden später vor dem Stadion…warum kommt diese blöde Straßenbahn nicht?! Ah, ein Bus. Endlich Frankfurt Innenstadt. Nur leider fuhren den Abend keine SBahnen mehr…Chaos pur, aber auch das konnte uns die Laune nicht nehmen. Ein hoch an dieser Stelle auch noch einmal auf den besten Schwenksteak-Grill der Welt, der mich seit gefühlten hundert Jahren glücklich macht!

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